Schon lange ist bekannt, dass man Daten auch per Funk übertragen kann. Dennoch konnten sich Funkzugänge bisher noch nicht wirklich durchsetzen, obwohl die Technik im Gegensatz zu anderen Übertragungsarten ihre Kinderkrankheiten schon längst überwunden hat und für die Anbieter eine gute Möglichkeit darstellt, den Kunden einen breitbandigen Internet-Anschluss ohne aufwendige und kostspielige Kabelverlegungen zur Verfügung zu stellen. Die drahtlose Überbrückung der sogenannten letzten Meile bezeichnet man in der Fachsprache auch als Wireless Local Loop (WLL).
Die Technik
Man unterscheidet bei den WLL-Techniken zwischen Kleinzellennetzen, zellularen Mobilfunksystemen wie UMTS, Richtfunksystemen und Satellitensystemen. Für Internetanschlüsse kommen vor allem Richtfunksysteme zum Einsatz, bei denen man zwischen Punkt-zu-Punkt- und Punkt-zu-Mehrpunkt-Systemen unterscheidet.
Punkt-zu-Punkt-Richtfunksysteme verbinden zwei Stationen über eine Richtfunkstrecke, es wird also eine direkte Verbindung zwischen Sender und Empfänger aufgebaut. Dadurch können theoretisch Übertragungsgeschwindigkeiten über 1 Gigabit/s erreicht werden. Nachteil sind dabei aber die sehr hohen Kosten, da der Anbieter für jeden Kunden eine separate Sendeanlage und Empfangsanlage bereitstellen muss. Daher wird diese Art des Richtfunks vor allem zur Überbrückung von größeren Distanzen und zur Anbindung von Internet Service Providern genutzt.
Punkt-zu-Mehrpunkt-Richtfunksysteme hingegen versorgen mit einer Funkzelle in einem Gebiet von mehreren Quadratkilometern beliebig viele Kunden, die lediglich eine spezielle Antenne an der Hauswand oder auf dem Dach anbringen müssen. Für die Anbindung werden dabei Funkverbindungen im Mikrowellenbereich in den Frequenzbereichen 2,6 GHz, 3,5 GHz und 26 GHz zur Übertragung genutzt, die erst im August 1999 von der Regulierungsbehörde zur WLL-Nutzung freigegeben wurden. Somit können Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 155 Mbit/s erreicht werden.
Die Angebote
Auch bei dieser Variante des Richtfunks sind die Investitionskosten für die Anbieter relativ hoch und entsprechende Angebote sind daher erst mit steigender Kundenzahl pro Funkzelle für die Anbieter wirtschaftlich überhaupt interessant. Die vorhandene Nachfrage entscheidet darüber, ob sich der Aufbau einer Funkzelle für den Betreiber und damit auch für den Nutzer rechnet. Aus diesem Grund sind Internetzugänge per Funk meistens nur in großen Ballungsräumen und Gebieten mit hoher Unternehmensdichte verfügbar. Ländlichere Regionen sind für eine Erschließung eher ungeeignet. Gängig sind zur Zeit Angebote mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 2 Mbit/s bis hin zu 10 Mbit/s.
Fazit
Eine Richtfunk-Anbindung bietet sich nur an, wenn man einen schnellen, symmetrischen Anschluss zum Internet benötigt, kein kabelgebundenes Breitband-Internet erhalten kann und gleichzeitig noch eine gut gefüllte Brieftasche besitzt. Angebote, die auch für Privatkunden in Frage kommen, sind sehr dünn gesät und nur in wenigen Städten oder Stadtteilen verfügbar. Richtfunk-Anbindungen sind eher für Unternehmen geeignet und stellen für diese eine interessante Alternative zu herkömmlichen Standleitungen dar.