Die Deutsche Telekom AG will sich den Wettbewerbern im Streit um das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz ein Stück nähern. Bei der Mitgliederversammlung des Bundesverbands Breitbandkommunikation (BREKO) am vergangenen Donnerstag in Berlin betonte Frank Schmidt, Leiter der T-Com-Regulierungsabteilung, die Telekom müsse sich an der Diskussion um das neue VDSL-Netz aktiv beteiligen. "Wir haben nie die Forderung gestellt, dass das Netz exklusiv von uns genutzt wird", sagte Schmidt.
Telekom will teilen
Die Telekom werde das Netz mit anderen teilen, so Schmidt. Doch nur zu den eigenen Bedingungen ohne eine Regulierung. Wie sich dies künftig gestaltet werde, sei aber noch unklar. Es würden derzeit unterschiedliche Modelle diskutiert. BREKO-Mitglieder vermuteten, dass es sich hierbei um Resale-Modelle handelt, bei denen die Unternehmen das neue VDSL nicht über das eigene Netz anbieten könnten. "Eine Resale-Lösung kommt für uns nicht in Frage", betonte Hansenet-Chef Harald Rösch.
Bundesnetzagentur für schnelle Entscheidung
Bundesnetzagentur-Vizepräsidentin Iris Henseler-Unger kündigte unterdessen an, die Netzagentur wolle schnell konkrete Entscheidungen über eine eventuelle Regulierung des VDSL-Netzes treffen, wenn das neue Telekommunikationsgesetz in Kraft getreten sei. Der Bundestag will die Gesetzesänderung am 29. November verabschieden.
Dagegen wehrt sich die EU-Kommission vehement. EU-Kommissarin Viviane Reding will notfalls im Eilverfahren gegen Deutschland vorgehen, sollte der Gesetzestext in der aktuell vorgesehen Fassung verabschiedet werden. Am vergangenen Donnerstag war Reding zu politischen Gesprächen nach Berlin gereist. "Ich habe heute interessante Gespräche geführt und die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der deutsche Gesetzgeber doch noch eine europarechtskonforme Lösung finden wird", sagte Reding am Donnerstagabend in Berlin. "Ich gehe davon aus, dass die Bundesnetzagentur den Wettbewerbern den Zugang zum VDSL-Netz unverzüglich ermöglichen wird", sagte Reding mit einem strengen Blick auf die anwesende Vize-Präsidentin der Bundesnetzagentur.
Reding: Regulierung erforderlich
Noch immer herrsche kein vollwertiger Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt in Deutschland. Die EU-Kommissarin betonte erneut, dass eine Regulierung des Markts erforderlich sei. "Ich glaube, dass eine zielgerichtete Regulierung zu mehr Wettbewerb führen wird", sagte Reding. Als eine der möglichen Ausgestaltungen führte die EU-Kommissarin die Trennung von Infrastruktur und Inhalten an. Reding betonte zudem, dass künftig eine europaweite Regulierungsinstanz unabdingbar sei, um vergleichbare Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Europaweit verfügbare Dienste, wie Skype, gewännen immer mehr an Bedeutung und dieser Entwicklung müsse Rechung getragen werden.