Noch vor wenigen Tagen hatten amerikanische Provider
Alarm geschlagen, dass das Internet die Grenzen seiner Kapazität erreicht hätte. Schuld seien Datenschleudern wie Youtube und Ebay, die mit Traffic-lastigen Angeboten scharenweise Nutzer auf ihre Seite locken. Doch wie sieht es mit diesen Nutzern selbst aus? Sind sie es nicht, die eigentlich Schuld an der Überlastung von Leitungen und Backbone-Servern haben? Die Traffic-Analysten von
Ipoque wollten es genauer wissen und haben einen Monat lang mehr als drei Petabyte (10
15 Byte) anonymer Daten von rund einer Million Nutzer in Deutschland, Australien, dem Nahen Osten sowie Ost- und Südeuropa gesammelt und ausgewertet. Fragestellung: Was machen die Leute eigentlich genau, wenn sie im Netz unterwegs sind?
P2P: wenig Nutzer – aber Haupt-Traffic-Verursacher
Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Wie Ipoque herausfand, nutzen 99 Prozent der deutschen Netzgemeinschaft das HTTP-Protokoll, was nichts anderes bedeutet, als dass von Website zu Website gesurft wird. Das verursacht aber lediglich elf Prozent des gesamten Datenverkehrsaufkommens. Weit Traffic-intensiver sind die sogenannten P2P-Tauschbörsen wie Edonkey und Bittorrent, die in Deutschland jeder fünfte Netzgänger regelmäßig nutzt. Auf das Konto von
Filesharern gehen mittlerweile 74 Prozent aller gesendeten und empfangenen Daten im Internet: Einfache Surf-Ausflüge wirken da wie Peanuts. Auch Streaming-Dienste à la Youtube und Myvideo, denen die Provider mit erhobenem Zeigefinger begegnen, spielen mit gerade acht Prozent eher eine Nebenrolle – von E-Mail-Diensten (0,4 Prozent) und
VoIP-Telefonaten (knapp ein Prozent) nicht zu sprechen.
Spielfilm, Sex und Serien
Da das Filesharing den Löwenanteil gemessen am gesamten Internetverkehr einnimmt, hat Ipoque die Tauschbörsen genauer unter die Lupe genommen. Die populärsten P2P-Protokolle sind weiterhin Bittorrent und Edonkey, die über einen gemeinsamen Marktanteil von rund 95 Prozent verfügen. Die Studie verrät auch interessante Details über die hier getauschten Inhalte: Die in Deutschland über Bittorrent gelaufenen Datenpakete waren in erster Linie Spielfilme (37 Prozent), gefolgt von digitalisierten TV-Mitschnitten wie Serien und Dokumentationen (21 Prozent). Schon an dritter Stelle – wenig überraschend – ist mit 13 Prozent das Genre der Pornografie anzutreffen. Die restlichen Inhalte befinden sich schon im einstelligen Prozentbereich, wie Musik (knapp acht Prozent), Spiele (sechs Prozent) und Programme (vier Prozent).