Sie kommen von der Schule nach Hause, essen zu Mittag und verschwinden dann im Kinderzimmer. Deutschlands Kinder und Jugendliche verbringen immer öfter ihre Nachmittage mit Chatten, Surfen oder dem Musikhören im Internet. Der Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITKOM) hat eine Studie in Auftrag gegeben, die herausfinden sollte, was die Teenager eigentlich im Netz so treiben.
Bildung macht den Unterschied
Zunächst fanden die Forscher heraus, dass es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede in Sachen Internet-Affinität gibt: 85 Prozent der Jungen und 80 Prozent der Mädchen verbringen ihre Zeit regelmäßig im Netz. Anders sieht es bei einem Vergleich der Bildungshintergründe aus, bei dem die Abiturienten klar die Nase vorn haben. 88 Prozent aller Gymnasiasten sind fast täglich im Internet unterwegs, bei den Realschülern sind es 82 Prozent. Die Hauptschüler bilden mit 72 Prozent das Schlusslicht.
Mädchen reden, Jungs hören
Darüber hinaus bietet die Studie interessante Einblicke in das Surfverhalten von Jugendlichen.
Instant Messaging, also der Austausch von Sofortnachrichten, ist mit Abstand der beliebteste Dienst im Internet. 75 Prozent der Jungen und 68 Prozent der Mädchen nutzen IM-Clients wie Skype, AIM oder ICQ. Das Versenden von E-Mails fällt mit rund 60 Prozent auf beiden Seiten auf den zweiten Platz zurück. Generell fällt auf, dass Jungen das Internet eher für Zwecke der Unterhaltung und Information nutzen. 56 Prozent von ihnen hören online Musik, 28 Prozent sehen sich Videos im Netz an. Allgemeine Nachrichtenangebote werden regelmäßig von 44 Prozent genutzt. Die Mädchen haben ihren Schwerpunkt eher im Bereich Kommunikation und nutzen das Internet häufiger als Lernhilfe für schulische Aufgaben.
E-Mail auf den zweiten Platz verwiesen: Instant Messaging-Dienste. Bild: BITKOM
Privatsphäre zunehmend gefährdet
Eine Entwicklung betrachten die Forscher jedoch mit Sorge: Vier von zehn Teenagern und jungen Erwachsenen haben ein Profil bei einer Online-Community und geben damit zunehmend ihre
Privatsphäre auf – jeder zweite von ihnen veröffentlicht dort mittlerweile persönliche Infos. "Man hat es meist selbst in der Hand, das richtige Maß an Privatsphäre zu wählen“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. "Bei der Bewerbung um einen Job kann es durchaus schaden, wenn ein Kandidat sein ganzes Privatleben online zur Schau stellt."