Donnerstag, 15.05.2008 12:16
Kein Breitband: Unternehmen wandern ab
"In Deutschland gibt es bis zu 800 Städte und Gemeinden mit rund 2200 Ortschaften, die nicht mit Breitband versorgt sind", klagt Gerd Landsberg. Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds gerät beim Anblick der digitalen Kluft zusehends in Frustration. Der Verein fordert nun eine Veränderung der Wettbewerbsregeln.
Wirtschaft in Gefahr
Das Problem der Unterversorgung mache sich vor allem bei dem Gewerbe auf dem Land bemerkbar: "Schon jetzt ziehen sich mittelständische Unternehmen aus diesen Gebieten zurück, weil sie ohne die schnelle Internetverbindung ihre Geschäfte nicht mehr ordnungsgemäß abwickeln können", warnt Landsberg. Dringender Handlungsbedarf bestehe besonders in Flächenländern wie Niedersachsen. Das sei umso bedenklicher, da 60 Prozent aller mittelständischen Unternehmen ihren Standort in der Fläche haben. Auch die ärztliche Versorgung könne in Zukunft nur über ein funktionsfähiges Breitbandnetz organisiert werden, so Landsberg.
"Das ist so viel, wie ein einziger Kilometer Autobahn kostet."
Einen Schuldigen hat der Verein bereits ausgemacht: die Regierung. "In Deutschland geht die Politik das Thema zögerlich und nur halbherzig an", beanstandet Landsberg. So sei im zuständigen Landwirtschaftsministerium lediglich ein Etat in Höhe von 10 Millionen Euro für den Breitbandausbau vorgesehen. "Das ist so viel, wie ein einziger Kilometer Autobahn kostet. Wir müssen viel mehr und viel schneller investieren, um Wettbewerbsnachteile für den Standort Deutschland zu vermeiden." Laut den Berechnungen des Städte- und Gemeindebunds müssten einer flächendeckenden Breitbandversorgung Investitionen von rund 2,4 Milliarden Euro vorangehen. "Wir müssen jetzt Anreize schaffen, dass Unternehmen auch in abgelegeneren Gebieten in Glasfaserkabel investieren", fordert Landsberg. Die Wettbewerbsregeln sollten dafür so verändert werden, dass derjenige, der Datenautobahnen schafft, diese nicht sofort Billiganbietern überlassen muss.
red