Das Knallen der Sektkorken in der Konzernzentrale von
Vodafone Deutschland nach der
Komplettübernahme von Festnetzanbieter
Arcor liegt noch im Ohr. Zum Preis von rund 474 Millionen Euro verkauften Deutsche Bahn und Deutsche Bank den Rest der noch nicht in Vodafone-Besitz befindlichen Arcor-Anteile. Hat sich der Kauf für Vodafone gelohnt?
Umsatz wächst um neun Prozent
Arcor präsentierte nun die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres. Arcor-Vorstandsvorsitzender Harald Stöber blickt zufrieden auf die Entwicklung im Zeitraum von April 2007 bis März 2008. "Wir wachsen mit hohem Tempo. Und auch unsere Profitabilität steigt", so Stöber. Das Eschbacher Unternehmen konnte den Umsatz innerhalb eines Jahres um neun Prozent auf 2,3 Milliarden Euro steigern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) konnte mit 456 Millionen Euro einen Anstieg um 62 Millionen Euro vorweisen.
DSL-Boom hält an: 2,6 Millionen Kunden
Ungebrochen war im Berichtsjahr auch der
DSL-Boom, den Arcor in weiter steigende DSL-Kundenzahlen umsetzen konnte. Ende März 2008 surften rund 2,64 Millionen DSL-Kunden mit Arcor durch das weltweite Netz. Lediglich 117.000 Kunden nutzten dabei einen DSL-Resale-Anschluss, die überwiegende Mehrzahl der Anschlüsse konnte Arcor über das eigene Netz realisieren. Dabei wurde anhand der Zahlen deutlich, dass der Trend eindeutig zur Buchung von DSL-Komplettpaketen mit Internet- und Telefonieflats geht. Der Bereich Telefonie per Preselection oder By Call ging erheblich zurück. 888.000 Kunden hatten Arcor als Preselection-Anbieter ausgewählt, dies sind 29 Prozent weniger als noch im Vorjahreszeitraum. Im Bereich Call-by-Call ist der Rückgang der Kundenzahlen noch stärker ausgefallen. Über eine Million Kunden weniger nutzten die Arcor Vor-Vorwahl 01070, um günstige Telefonate zu führen. Mit noch 1,84 Millionen Call-by-Call Kunden musste Arcor hier einen Rückgang um 37 Prozent vermelden.
Eigenes Netz wird weiter ausgebaut
Das Hauptaugenmerk legte Arcor auch im vergangenen Geschäftsjahr auf den weiteren Ausbau des eigenen Netzes, für den im Berichtszeitraum rund 300 Millionen Euro investiert worden sind. Aktuell beträgt die Netzabdeckung 66 Prozent der deutschen Haushalte. Noch 2008 soll der Ausbau jedoch so intensiviert werden, dass 70 Prozent aller Haushalte mit Arcor-Komplettpaketen aus DSL-und Sprachanschluss abgedeckt werden könnten. Stöber sieht den Anstieg der Investitionen, immerhin elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, als existentiell an und auch in der Zukunft als Fundament für den Erfolg von Arcor. "Vitaler Wettbewerb und substantielles Wachstum sind ohne den Betrieb eigener Netze nicht möglich", so Stöber.
Neben dem Geschäft mit Privat- und Businesskunden werkelt Arcor auch kräftig an der Etablierung einer dritten Säule. Das
Wholesale-Geschäft, die Bereitstellung von DSL-Anschlüssen für andere Wettbewerber, soll weiter wachsen.
1&1 sowie Vodafone sind bereits zwei große Kunden in diesem Bereich. Laut Stöber mache das Wholesale-Geschäft Arcor noch schlagkräftiger. Vodafone kann also zufrieden auf die Übernahme von Arcor blicken. Zusammen mit Arcor strebt Vodafone nach Aussage von Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen einen DSL-Marktanteil von rund
20 Prozent an. Auf Seiten der Arcor-Mitarbeiter herrscht allerdings Sorge um die Sicherheit der Arbeitsplätze. Bereits im letzten Geschäftsjahr sank die Zahl der Arcor-Mitarbeiter um vier Prozent auf 3.567, durch die Integration von Arcor in die Vodafone-Strukturen wird mit einem weiteren Arbeitsplatzabbau gerechnet.