Microsoft-Programme, wo man hinschaut. Der Marktführer hat die Software-Welt fest im Griff. Die Folge: Wer Dateien massenkompatibel austauschen will, kommt an dem IT-Giganten kaum vorbei. Eine bittere Pille, denn dabei gehen schnell mehrere hundert Euro für die Markenprodukte über die Ladentheke.
Attacke auf Google
Neue Hoffnung kommt jetzt aus Redmond selbst: Microsoft Co-Manager Craig Mundie hat angekündigt, dass die Software des Marktführers möglicherweise bald billiger wird. Wie er gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" bekanntgab, soll dies durch Werbeeinblendung möglich werden.
In Fachkreisen gilt dies als Attacke auf den Suchmaschinen-Riesen und Erzrivalen Google. Dieser hatte kürzlich durch seinen
neuen Browser Chrome ein klassisches Microsoft-Feld beackert und in Redmond für Stirnrunzeln gesorgt. Daraus macht der Microsoft-Manager auch keinen Hehl: "Wir wollen in das Gebiet von Google eindringen, weil wir über das Geschäft mit Suchmaschinen und Online-Anzeigen auch mit Verbrauchern mehr Geld verdienen können."
Mundie, der nach dem Ausstieg von Firmengründer Bill Gates aus der Konzernleitung mit Ray Ozzie das Gates-Erbe antritt, sieht neben Kauf und Abonnement in der Einblendung von Werbung ein neues Geschäftsmodell. "Wir haben seit unserer Gründung vor mehr als 30 Jahren nur die ersten beiden Wege genutzt", so Mundie. "Wenn wir nun aber anfangen, in Software-Programmen Werbung anzuzeigen, werden die Programme für die Verbraucher billiger."
Ein Patent für auf den Nutzer zugeschnittene Werbeeinblendungen in Software hatte Microsoft bereits im Juli 2007 eingereicht.
Trend: "Denken" in Zusammenhängen
Bezüglich neuer Zukunftstrends in der Computertechnologie orakelte Mundie: "Computer werden Zusammenhänge verstehen und sich an Dinge erinnern". Der Trend gehe weg von der Schritt-um-Schritt-Verarbeitung von Daten hin zum menschähnlichen Denken in Zusammenhängen. Die Gefahr, dass der Mensch sich dadurch selbst wegrationalisiert, sieht Mundie dabei nicht. "Wir müssen mit Bedacht handeln, nicht aus Angst", so Mundie und verglich die Weiterentwicklung IT-Branche mit der Kernspaltung: "Man muss die Risiken so klein wie möglich halten, aber die Vorteile überwiegen so stark, dass wir diese Techniken vorantreiben müssen."