Seit
2007 bringt die Video-Plattform Hulu.com bekannte und beliebte Serien wie die "Simpsons" oder "Family Guy" kostenlos in voller Länge in die US-Wohnzimmer – vorausgesetzt dort steht ein
PC oder Fernseher mit
Internetzugang. Ein Abruf von Online-Videos aus anderen Ländern war bisher nur
über Proxy-Umwege möglich und ging daher meist mit Qualitäts- sowie Geschwindigkeitseinbußen einher. Für die Zukunft hat Hulu allerdings expansive Pläne. Ganz oben auf der Liste stehen dabei eigene Angebote für Großbritannien und Deutschland, so Hulu-Chef Jason Kilar im Interview mit der Zeitschrift "Werben & Verkaufen".
Kilar: "Klar werden wir kommen"
"Klar werden wir kommen. Hulu wollen wir in jedem Land der Erde etablieren." Dies sei ein logischer Schritt der Globalisierung, sagte Kilar. Zuvor müssten jedoch noch umfangreiche Verhandlungen mit potenziellen nationalen Content-Anbietern geführt werden. "Das ist ein Haufen Arbeit, aber letztlich nur eine Frage der Zeit", so der Hulu-Gründer. So sei eine Verbreitung von Inhalten über das
Internet für die Anbieter mit sinkenden Kosten bei gleichzeitig höherer Reichweite verbunden. Ein enormer Wandel stehe hier bevor – getrieben durch den Effizienzgedanken, glaubt Kilar. Dennoch seien die Auswirkungen auf das klassische TV-Geschäft noch eher gering. Beide Formate könnten auch zukünftig nebeneinander existieren. "Trotz einer Zahl von zuletzt 29 Milliarden abgerufenen Videos im Monat, steigt der Primetime-TV-Konsum in den USA seit Jahren. Klassisches TV ist sicher nicht am Ende", sagte Kilar. Auch die Hulu-Gesellschafter
Disney (ABC), News Corp. (Fox) und NBC Universal stünden daher voll hinter den Expansionsplänen. Dass dabei auch das Geld der Nutzer stärker in den Mittelpunkt rücken wird um die Fernsehinhalte zu finanzieren, ist ein offenes Geheimnis. "Wir müssen uns die Rechte genauso verdienen, wie andere TV-Distributionskanäle auch. Kein Content-Inhaber wird uns etwas schenken", betonte Kilar.
Hulu will bald auch in Deutschland durchstarten. Screenshot: onlinekosten.de
Kostenfreies Basisangebot und Premium-Inhalte gegen Gebühr
Gerüchten, Hulu werde vollständig zu einer Bezahlplattform umgewandelt, erteilte Kilar jedoch erst Ende Januar auf dem Burda-Kongress
"Digital Life Design" (DLD) in München eine klare Absage und gab sich sehr zufrieden mit der bisherigen Umsatzentwicklung durch Werbung. "Ich werde keine Zahlen nennen. Aber wir haben in der Vergangenheit gesagt, wir werden unsere Haare abschneiden, sollten wir eine bestimmte Marke knacken, die sehr weit entfernt von unserem damaligen Standpunkt lag. Wie sie sehen, sind meine Haare nun sehr viel kürzer als normal", sagte Kilar.
Bereits im Oktober 2009 hatte Chase Carey, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der News Corp., erste Details über
Monetarisierungsabsichten für das US-Portal verlauten lassen. Über die konkrete Ausgestaltung gab Carey damals allerdings nur wenig Auskunft. Er plädierte lediglich für bestimmte kostenpflichtige Premium-Inhalte und ein freies Basisangebot. Etwas ausführlicher äußerte sich am Donnerstag Kevin Mayer, Executive Vice President des an Hulu beteiligten Disney-Konzerns, auf einer Konferenz in New York. Wie das Blog
"All Things Digital" des "Wall Street Journal" berichtet, sagte Mayer, man werde die Nutzer an bestimmten Punkten für bestimmte Inhalte zur Kasse bitten. Möglich seien etwa Abo-Modelle, Premium-Downloads, Pay-per-View oder alles zusammen. Laut Mayer fungieren Bezahlangebote dabei als Ergänzung zu den kostenfreien, über Werbung finanzierten Inhalten, die Hulu bereits anbietet. "Ich glaube, wir sollten und werden definitiv einen Hybrid-Ansatz verfolgen", sagte der Disney-Manager. Eine Entscheidung darüber, wann Paid Content auf Hulu eingeführt wird, sei jedoch noch nicht gefallen.