DSL ist Technik von gestern: Bei der Euroforum-Tagung "Die Zukunft der Kabel-TV-Netze" in Köln erklärte Lorenz Glatz, technischer Leiter von Kabel Deutschland, die Kabelnetzbetreiber seien für die Zukunft besser gerüstet als DSL-Anbieter. Doch wie sehen die harten Fakten jenseits von Marketingsprüchen aus? Torsten Gerpott, Professor an der Universität Duisburg-Essen und ein ausgewiesener Kenner der nationalen Telekommunikationsbranche, skizzierte ein gemischtes Bild: Kabel hat Chancen und Vorteile, DSL dominiert derzeit noch klar.
TV über Kabel ist rückläufig
Das Kabel hätte sich auch im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 49,9 Prozent gegenüber Satellit mit 43,1 Prozent als wichtigster Übertragungsweg für den TV-Empfang behaupten können. Dennoch war bei den beiden größten deutschen Anbietern, Kabel Deutschland und Unitymedia, insgesamt ein Rückgang um über 200.000 Kabel-TV-Kunden zu verzeichnen. Bis 2013 werde die Zahl der Kabel-TV-Haushalte laut einer Analyse von Price Waterhouse Coopers (PWC) um rund 800.000 auf dann 17,4 Millionen sinken. Die Zahl der Kunden, die TV über DSL als IPTV nutzen, nehme nur langsam zu. Gerpott bezweifelte die von den PWC-Experten für 2009 angegebene Zahl von einer Million Haushalte und hielt rund 800.000 IPTV-Nutzer für eher realistisch. Bis 2013 soll deren Zahl laut PWC-Prognose auf 2,5 Millionen ansteigen. Das Fernsehen per Internet sieht Gerpott in Deutschland als eine eher "beschwerliche Geschichte". Der schwache IPTV-Vermarktungserfolg des Entertain-Programms der Deutschen Telekom sei auch auf das hohe Preisniveau im Vergleich etwa zum Wettbewerber Hansenet zurückzuführen.
Konsolidierung im Kabelmarkt lässt weiter auf sich warten
Die Konsolidierung des deutschen Kabelmarktes sei im vergangenen Jahr nicht weiter vorangekommen. Der Kauf von Unitymedia durch Liberty habe nur zu einem Eigentümerwechsel geführt. Die finanzielle Lage gerade von Kabel Deutschland und Unitymedia sei noch keineswegs komfortabel. Kabel Deutschland kämpfe immer noch mit einem Schuldenberg in Höhe von einer Milliarde Euro. Von April bis September 2009 investierte das Unternehmen 95 Millionen Euro, deutlich weniger als etwa Unitymedia. Der in Nordrhein-Westfalen und Hessen tätige Anbieter hatte von Januar bis September des vergangenen Jahres knapp 230 Millionen Euro in Netzausbau und Technik gesteckt.
Kabel hinkt bei der Digitalisierung weiter hinterher
Die Digitalisierung der deutschen Haushalte benötige weiterhin Zeit. Anfang diesen Jahres hätte die Zahl der Haushalte mit digitalem TV-Empfang die 60-Prozent-Schwelle überschritten. Das Kabel hinke mit einem Digitalisierungsgrad von rund 30 Prozent der Satellitentechnik hinterher. Bereits über 74 Prozent der Sat-TV-Kunden nutzten digitales Fernsehen. Zur Attraktivitätssteigerung des digitalen Kabels rät Gerpott zu niedrigen Eintrittsbarrieren: Subventionierte Set-Top-Boxen, Verzicht auf Abonnementaufschläge für digitalen Empfang und Hinweis auf die technischen Vorteile der Digitaltechnik. Besonders erfolgreich meisterten bislang Unitymedia und Kabel BW die Digitalisierung, die mit 40 beziehungsweise 36,1 Prozent im Juni 2009 eine deutlich höhere digitale TV-Kundenquote aufweisen konnten als Kabel Deutschland. Je nach Bundesland schwankte der Digitalisierungsgrad hier von 33,6 Prozent im Saarland bis zu mageren 16,5 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.