In den letzten Monaten hat die Asche des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull die Pläne von zahlreichen Flugreisenden durcheinandergebracht. Besonders ärgerlich war das für Geschäftsreisende, da sie dadurch nicht selten wichtige Termine verpasst haben. Doch umweltbelastende Flüge sind gar nicht in jedem Fall erforderlich, oft erfüllt eine Videokonferenz mit dem Geschäftspartner den gleichen Zweck. Videoanrufe erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Auch die Deutsche Telekom will in diesem Markt mitmischen und startet laut "Handelsblatt" nun mit der Vermarktung des Telepresence-Videokonferenzsystems von Cisco. Installiert werden die ersten Systeme im Rahmen eines Pilotprojektes in Hotels der Lindner-Gruppe.
Start in fünf Lindner Business-Hotels
Nachdem die Telekom bislang nur wenig Erfolg mit dem Verkauf des Videokonferenzsystems hatte, soll die Nutzung nun auf Mietbasis erfolgen. Zum Start werden ab Juli Cicso-Telepresence-Syteme in fünf Lindner-Business-Hotels in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und am Nürburgring installiert. Geboten wird dafür ein halbrunder Konferenztisch plus große Videoschirme. Die Übertragung erfolgt in High-Definition, auch für eine gute Tonqualität wird gesorgt. "Man vergisst nach zwei Minuten, dass das Gegenüber in Wirklichkeit hunderte Kilometer entfernt sitzt", so Dirk Backofen, Telekom-Marketingleiter im Segment Geschäftskunden.
Hotels zahlen bis zu 12.000 Euro im Monat
Die Hotels erhalten die Systeme zum Flatrate-Preis: Je nach Größe des Systems berechnet die Telekom zwischen 2.000 Euro im Monat für Zweiplatzsysteme bis hin zu 12.000 Euro für größere Installationen. Dafür können beliebig viele Konferenzen abgehalten werden. Die Entgelte für Unternehmen, die die so eingerichteten Konferenzräume in den Hotels nutzen wollen, legen die Hotels selber fest. Der Preis für eine Videokonferenz dürfte nach Angaben von Lindner-Vorstand Andreas Krökel gegenüber dem "Handelsblatt" einige hundert Euro pro Stunde betragen. Das größte System erlaubt eine Konferenz mit bis zu 20 Teilnehmern. Zur Verfügung stehen auch Einzelplatzsysteme von Tandberg, allerdings würde deren komplette Einbindung nach Angaben eines Telekom-Sprechers gegenüber onlinekosten.de noch einige Zeit benötigen. Im vergangenen Herbst hatte Cisco Tandberg für knapp 3 Milliarden US-Dollar gekauft. Durch den Wegfall von Reisekosten würde sich der Einsatz der Videokonferenzsysteme schnell rentieren. Insgesamt sollen in diesem Jahr laut den Vorstellungen der Telekom rund 80 bis 100 der Systeme installiert werden. Neben verschiedenen Hotels hat auch die Messe Hannover Interesse an dem Konferenzsystem.
Die Telekom startet in Hotels mit der Installierung von Cisco-Videokonferenzsystemen auf Mietbasis. Bild: Cisco
Deutsche Nationalmannschaft: Videokonferenzen zur Stärkung der Moral
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, die am 11. Juni startet, will die Telekom werbewirksam zur Vermarktung des Cisco-Systems nutzen. Das Mannschaftshotel der deutschen Nationalmannschaft in der Nähe von Pretoria wird gerade mit einem temporären Videokonferenzsystem und einer 10-Megabit-Anbindung ausgerüstet. Von dort lassen sich Konferenzen mit der DFB-Zentrale in Frankfurt durchführen, wo die Telekom ebenfalls ein Konferenzsystem eingerichtet hat. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, wird ausgesuchten Telekom-Kunden über das Telepresence-System Fragen beantworten. Und auch die deutschen Nationalspieler selbst können zur Stärkung der Moral per Videokonferenzschaltung Kontakt mit ihren Familien in Deutschland halten. "Für uns ist das der erste internationale Einsatz, im Laufe des Jahres gehen wir die Anschaltung weiterer ausländischer Netze an", so Telekom-Manager Backofen.
Videokonferenzen sind aber durchaus auch für Privatnutzer erschwinglich. So ermöglicht etwa die VoIP-Software Skype 5 Beta 1 eine Videokonferenz mit bis zu 5 Teilnehmern.