Manche Flecken halten sich äußerst hartnäckig. Trotz größter Anstrengungen wollen sie einfach nicht verschwinden. Was bei Kleidung eher mit grasgrün oder kirschrot assoziiert wird, ist im Breitbandausbau strahlend weiß. Die sogenannten weißen Flecken prägen seit dem Anfang des schnellen Internets die Diskussion über DSL und Co. Dennoch sind die Einwohner unzähliger Gemeinden und Landstriche auch im Jahr 2010 noch täglich mit dem Modem-Pfeifton im Ohr online. Laut Vodafone-Deutschland-Chef Fritz Joussen ist das Ende des Schmalbandzeitalters jedoch endgültig gekommen. "Ich bin sicher, dass in rund 12 Monaten, also bereits Mitte nächsten Jahres, die ländlichen Regionen an das mobile Internet angeschlossen sind", sagte Joussen in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).
"Wir rüsten das Netz zügig hoch"
Ausschlaggebend für den schnellen Ausbau sei der neu angeheizte Wettbewerb nach der Frequenzversteigerung. "Wer zuerst kommt, gewinnt die Kunden und verdient Geld. Und weil drei Unternehmen Frequenzen aus der digitalen Dividende ersteigert haben, geht das ruck, zuck", zeigte sich Joussen überzeugt. Nicht umsonst habe die Telekom ihren DSL-Ausbau in den unterversorgten Gebieten seit Festsetzung der Rundfunkauktion deutlich beschleunigt. Man habe dort versucht, "schnell noch alles mitzunehmen, was einigermaßen feststeht, bevor Wettbewerber mit mobilen Angeboten an den Markt gehen", so der Vodafone-Vorstand. Kontern will er mit massiven Investitionen in den neuen LTE-Standard. "Wir werden sehr zügig das gesamte Vodafone-Netz hochrüsten. An jeder GSM-Basisstation wird über die nächsten drei Jahre auch die Technik für LTE verbaut", sagte der 47-Jährige. Dies sei eine Existenzfrage. Ohne LTE könne ein Unternehmen in diesem Markt nicht überleben.
Innerhalb eines Jahres sollen viele "weiße Flecken" verschwunden sein. Bild: Vodafone
Profitieren sollen zuerst die bislang unterversorgten Gebiete, später dann auch Ballungsräume und Städte. Hier eigneten sich die 800-Megahertz-Frequenzen auch deshalb, da neben einer höheren Reichweite die Gebäudedurchdringung besser sei, so Joussen. Zu den erreichbaren Geschwindigkeiten machte der Vodafone-Chef zudem konkrete Angaben. Auf dem Land lägen die Bandbreiten bei bis zu 5 Megabit pro Sekunde (Mbit/s); in den Städten seien sogar bis zu 70 Mbit/s realistisch.
"Wir sind größter Kunde unseres Hauptwettbewerbers"
Der Mobilfunksektor gilt für Joussen daher als längst nicht gesättigt. "Das ist im Vergleich zum Festnetz der gesündere Markt und die Rahmenbedingungen für Investitionen sind wettbewerbsorientiert. Das schafft Planungssicherheit für Investitionen", sagte er. Vodafone erziele im Mobilfunk strukturell Margen von mehr als 40 Prozent - im Festnetzbereich lediglich die Hälfte. Ein Grund: Die Wettbewerber seien auf den letzten Metern zum Kunden weiterhin auf die Leistungen und Infrastruktur der Telekom angewiesen – und subventionierten damit zwangsweise ihre eigene Konkurrenz.
"Wir sind heute mit Abstand der größte Kunde unseres Hauptwettbewerbers: die Nutzung der sogenannten letzten Meile kostet bei vier Millionen Kunden rund eine halbe Milliarde Euro im Jahr, die wir an die Telekom bezahlen", betonte Joussen. Bei Bitstrom-Produkten sei die eigene Marge aufgrund zu hoher Kosten "praktisch null". Dennoch benötige Vodafone den Zugang, da das eigene Netz noch nicht bundesweit verfügbar sei.
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