Im Mai dieses Jahres brach die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA die Verhandlungen mit Google über das Vergütungsmodell für das Videoportal YouTube ab. In Kooperation mit acht weiteren Musikautorengesellschaften wollte die GEMA in den letzten Wochen Druck auf Google ausüben und eine internationale Lösung anstreben. Jetzt hat sich der Internetkonzern allerdings nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) mit der italienischen SIAE auf einen neuen Vertrag einigen können.
GEMA verweigert weitere Gespräche
Die Italiener hatten sich eigentlich mit der GEMA und weiteren Rechteverwertern wie ASCAP, BMI und SESAC aus dem US-Markt und der französischen SACEM gegen Google verbündet und die Lizenzen für ihr Repertoire verweigert. Jetzt schert die SIAE als erste Gesellschaft aus dieser Allianz aus. Man verhandele bereits sehr lange mit Verwertungsgesellschaften weltweit, und man schließe mit vielen Verträge, sagte Philipp Schindler, Google-Nord- und Zentraleuropachef, im Interview mit der FTD. "Aber die Einzigen, mit denen wir es derzeit nicht schaffen, ist die GEMA." Sie habe die Verhandlungen über YouTube aus heiterem Himmel abgebrochen und blocke jeden Versuch von Google, weitere Gespräche aufzunehmen, ab.
Gleichzeitig mit dem Abbruch der ein Jahr dauernden Verhandlungen zwischen Google und der GEMA im Mai hatte die Verwertungsgesellschaft verlangt, dass rund 600 Titel von der Videoplattform gelöscht werden, da YouTube diese wie zahlreiche andere seit dem Auslaufen des Nutzungsvertrages illegal nutze. Das Hamburger Landgericht entscheidet am Donnerstag über eine entsprechende einstweilige Verfügung der GEMA. Aus juristischen Gründen will sich die GEMA daher auch nicht auf neue Verhandlungen einlassen, so eine Sprecherin der Gesellschaft gegenüber der FTD. Der Versuch von Google, den Verbund zu sprengen, sei absehbar gewesen. Er ändere aber nichts für das Bündnis gegen YouTube.
Angemessene Vergütung der Urheber
Die GEMA ist Europas größte Verwertungsgesellschaft und hat nach eigenen Angaben das Ziel, eine angemessene Vergütung der Urheber zu erreichen und dafür mit YouTube zu einer für beide Seiten annehmbaren Vertragsvereinbarung zu gelangen. Laut Schindler, liege die Forderung der GEMA aber ein Zigfaches über dem, was im restlichen Europa üblich sei. Aus Gründen der Vertraulichkeit könne er aber keine genauen Zahlen nennen. Google ist zwar ein sehr profitabler Konzern, YouTube allerdings nicht und eine dauerhafte Quersubventionierung lehnt Google ab. Zuletzt soll die GEMA 1 Cent pro abgespieltem Video verlangt haben.