Nach dem Erfolg des Apple iPad setzen mittlerweile auch viele andere Hersteller auf die flachen Tablet-PCs. Eine Sonderrolle nimmt dabei Apple-Rivale Microsoft ein. Bereits unter der Führung von Bill Gates arbeiteten die Redmonder an der Entwicklung von Display-Computern, ließen sich allerdings das Heft des Handelns leichtfertig aus der Hand nehmen. Zwar wurde noch vor der iPad-Vorstellung das HP Slate mit Windows 7 vorgestellt, jedoch verschwand das Gerät ebenso schnell wieder in der Versenkung. Auch der nie offiziell präsentierte, aber weitaus innovativere Tablet-PC "Courier" mit Doppel-Touchscreen wurde Ende April überraschend beerdigt. Was nun, Microsoft, fragten sich nicht nur viele Branchenbeobachter. Die Antwort kam am Donnerstag von Steve Ballmer persönlich: Es werde derzeit mit Hochdruck an Windows-basierten Tablet-Computern gearbeitet, sagte der Microsoft-Chef laut dem US-Magazin CNET vor Analysten.
Tablet mit modifizierter Version von Windows 7
Konkrete Veröffentlichungstermine nannte er zwar nicht, betonte aber, die Aufgabe habe höchste Priorität. "Jeder ist voll bei der Sache", so Ballmer. Die Geräte würden in Kooperation mit mehreren Hardware-Partnern entwickelt, verfügten über einen Intel-Prozessor und seien mit einer für Touchscreen-PCs modifizierten Version von Windows 7 ausgestattet. Mit der Vorstellung von Intels neuem energieeffizientem Oak-Trail-Prozessor im nächsten Jahr werde die Technologie zudem einen weiteren Schub erhalten. Ein ARM-Prozessor, wie er beispielsweise in Apples iPad zum Einsatz kommt, werde hingegen nicht verbaut.
"Wir werden kommen und wir kommen gut gerüstet", so Ballmer. "Es wird nicht mehr lange dauern." Die derzeitige Situation sei vergleichbar mit den Anfangstagen der Netbooks, von denen ursprünglich viele auf Linux basierten, sagte Ballmer. Auch dort habe man seine Vorstellungen aber erfolgreich umsetzen können.
"Wir wollen Produkte liefern, die auch gekauft werden"
Oberstes Ziel bei der Tablet-Entwicklung seien die Wünsche der Kunden und ihre Zufriedenheit. Man wolle nicht einfach irgendwelche Produkte liefern, sondern Produkte, die die Menschen auch kaufen wollen. Einer Adaption des kommenden Smartphone-Betriebssystems Windows Phone 7 erteilte er darüber hinaus vorerst eine Absage. Alle Planungen konzentrierten sich auf eine optimierte Variante von Windows 7.
Zum Thema iPad äußerte sich Ballmer nur kurz. Apple habe mehr Geräte davon verkauft, als er es sich gewünscht hätte. Allerdings werde ein Windows-7-Tablet im Funktionsumfang überlegen sein. Beispielsweise könne ein solches Gerät auch Druckaufträge erteilen. "Es gibt einige Menschen, die ab und zu auch etwas drucken wollen", so Ballmer ironisch. Er wolle Apples Leistung aber nicht kleinreden, sie seien eine harte Konkurrenz. Dennoch werde sich Microsoft im Tablet-Markt behaupten – auch gegen Android-Geräte. Alles andere wäre eine Schande für uns, sagte der 54-Jährige. Trotz aller Rhetorik wird die Aufgabe nicht leicht für die Redmonder - sind sie doch reichlich spät dran.