Donnerstag, 09.09.2010 13:46
DVB-T2: Einführung in Deutschland ab 2013 möglich
aus dem Bereich Sonstiges
Der Startschuss für das digitale Antennenfernsehen DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) erfolgte in Deutschland im Jahr 2002 in Berlin-Brandenburg, Ende 2008 war der Sendernetzaufbau im gesamten Bundesgebiet abgeschlossen. DVB-T sollte sich als dritter digitaler Rundfunk-Empfangsweg neben Satellit und Kabel etablieren. Und in der Tat stehen DVB-T-Empfänger inzwischen millionenfach in deutschen Haushalten. Der internationale Übertragungsstandard wird auch als "Überallfernsehen" bezeichnet, da der Empfang auch unterwegs auf mobilen Geräten mit kleiner integrierter Antenne möglich ist. Doch der weit bessere Nachfolger DVB-T2 kündigt sich bereits an. Helmut Egenbauer, Geschäftsführer des Sendernetzbetreibers Media Broadcast, gab in einem Interview mit dem Branchendienst Digitalmagazin.info für Deutschland das Jahr 2013 als realistischen Starttermin für den neuen terrestrischen Übertragungsstandard an.
Mehr Kanäle und HDTV über DVB-T2
Bis dahin ließen sich alle frequenztechnischen und medienrechtlichen Voraussetzungen klären. "2014/2015 könnten bereits alle Ballungsräume auf DVB-T2 umgerüstet werden", so Egenbauer. Media Broadcast hatte auf dem Berliner Messegelände der am Mittwoch zu Ende gegangenen Internationalen Funkausstellung (IFA) zu Demonstrationszwecken ein DVB-T2 Testsignal ausgestrahlt. Partner des Broadcasters sollten auf der IFA die Möglichkeit haben ihre Dienste und Funktionalitäten im Live-Betrieb zu präsentieren. Zuvor sei der neue Standard auch schon in DVB-T2-Pilotprojekten in Berlin und Niedersachsen getestet worden. DVB-T2 biete die besten Voraussetzungen um den terrestrischen Rundfunkempfang weiter zu entwickeln. Nur die digitale Terrestrik ermögliche auch eine portable, mobile Nutzung.
Die Einführung von DVB-T2 bringe einen "technologischen Quantensprung", da sich auch HD-Programme übertragen lassen. Die Anzahl der SD-Programme könne zudem deutlich erhöht werden. Innerhalb eines Kanals lassen sich HD- und SD-Kanäle parallel verbreiten. Außerdem sind Breitbanddienste mit Fernsehsignalen kombinierbar und ermöglichen Anwendungen wie Hybrid-TV.
DVB-T2 könnte ab 2013 in Deutschland eingeführt werden.
Bild: dvb.org
DVB-T2 ermöglicht Internet-TV und Pay-TV per Antenne
Ein Umstieg auf DVB-T2 wird für die heutigen DVB-T-Nutzer aber wohl nicht ohne Anschaffung neuer Geräte erfolgen können. Egenbauer erhoffe sich aber in Zusammenarbeit mit allen Marktteilnehmern ein verbraucherfreundliches "Einführungsszenario". Der Endverbraucher lasse sich von dem Zusatznutzen nur durch attraktive Inhalte und interaktive Dienste überzeugen. Sehr rasch müssten auch DVB-T2-kompatible Digitalreceiver erhältlich sein. Als maßgeblichen Motor für die DVB-T2-Einführung sieht der Media Broadcast-Geschäftsführer die starke Nachfrage nach HDTV. Inhalteanbieter könnten über HDTV per DVB-T2 ihre Reichweiten steigern. Auf der vom 9. bis 14. September in Amsterdam stattfindenden International Broadcasting Conference (IBC) präsentiert Media Broadcast außerdem erstmals die Verknüpfung von Hybrid-TV mit DVB-T. Über den terrestrischen Empfangsweg seien künftig Internet-TV, interaktive Unterhaltungs- und Informationsdienste, Shopping-Anwendungen, Push-Dienste, Video on Demand und Pay-TV denkbar.
red