Einen Blick auf die Zukunft des Internet über Kabel gab es in der vergangenen Woche in Hamburg. Im dortigen Kabelnetz hatte Kabel Deutschland Gigabit-Internet getestet und als weltweit erster Kabelnetzbetreiber erstmals Geschwindigkeiten von bis zu 1,17 Gigabit gemessen. Am Firmensitz in München präsentierte das Unternehmen am Dienstag nun seine Bilanz für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres. Im Zeitraum von Anfang April bis Ende September dieses Jahres konnte Kabel Deutschland (KDG) auf eine weitestgehend positive Entwicklung blicken. "Mit unseren Zahlen bleiben wir auf Wachstumskurs und setzen den positiven Trend nahtlos fort", so Adrian von Hammerstein, Vorstandsvorsitzender von Kabel Deutschland. Die Gesamtzahl der Abonnements rund um den Kabelanschluss stieg um vier Prozent auf 12,31 Millionen nach 11,84 Millionen im Vorjahr. Insgesamt sind von den 15,29 Millionen technisch erreichbaren Kabelhaushalten 12,48 Millionen Haushalte beziehungsweise 81,6 Prozent bereits für den Empfang von Internet und Telefon aufgerüstet.
Hohe Nachfrage nach Internet und Telefonie
Als wichtigster Wachstumstreiber erweist sich nach Angaben des Unternehmens dabei erneut die hohe Nachfrage in den Neuen Diensten Internet, Telefon und Premium TV. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres, von Juli bis September 2010, legte die Zahl der geschalteten Internetzugänge um rund 60.000 auf fast 1,09 Millionen zu. Im gleichen Zeitraum wuchs auch die Zahl der Telefon-Abonnements um rund 57.000 auf 1,12 Millionen an. Bei seinen Premium TV-Diensten konnte Kabel Deutschland im zweiten Quartal rund zusätzliche 27.000 Umsatz generierende Einheiten (RGUs) vermarkten, insgesamt finden sich hier 1,14 Millionen Abonnements. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres von April bis Juni hatte KDG allerdings mehr Abonnements hinzu gewinnen können.
Kundenschwund beim Kabelfernsehen hält an
Bei den neu abgeschlossenen Internetverträgen hatte der Provider beispielsweise noch um 63.300 zulegen können, die Zahl der Telefonanschlüsse war in diesem Zeitraum um 59.800 gestiegen, das Plus beim Pay-TV hatte noch bei 34.400 Abonnements gelegen. Dennoch steht Kabel Deutschland im Vergleich mit der Telekom im zweiten Quartal recht gut da. Der Bonner Konzern hatte die Zahl seiner DSL-Anschlüsse von Juli bis September lediglich um 49.000 steigern können.
Ein Abwärtstrend zeigt sich weiterhin beim einfachen Kabelfernsehen: Zum Ablauf des zweiten Quartals dieses Jahres verbuchte KDG beim Kabel TV 8,97 Millionen Abonnements nach 9,1 Millionen ein Jahr zuvor. Hatte der Kabelnetzbetreiber Ende September des vergangenen Jahres Kundenbeziehungen zu insgesamt rund 9,01 Millionen Kunden unterhalten, so ging die KDG-Gesamtkundenzahl bis Ende September dieses Jahres vor allem wegen des schwachen Kabelfernseh-Bereiches um 160.000 Kunden auf rund 8,85 Millionen zurück.
Mehr Umsatz mit weniger Kunden - Verschuldung gesenkt
Kabel Deutschland schaffte es jedoch mit weniger Kunden mehr Umsatz zu erzielen. Ein Kunde buchte Ende September 2010 durchschnittlich 1,39 Produkte des Anbieters nach 1,31 Produkten im Vorjahr. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres, von April bis September, konnte der Kabelnetzbetreiber den Umsatz auf 758,8 Millionen Euro steigern, ein Plus von 6,8 Prozent. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde (ARPU) stieg im zweiten Quartal auf 13,08 Euro, mittelfristig strebt KDG hier einen Wert von rund 20 Euro an. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte im ersten Halbjahr um 10,4 Prozent auf 355,2 Millionen Euro. Den Nettoverlust reduzierte Kabel Deutschland von minus 26, 9 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 7,8 Millionen Euro Ende September, für das zweite Quartal weist das Unternehmen einen Fehlbetrag von 5,8 Millionen Euro aus. Im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres investierte KDG 140,1 Millionen Euro und damit 12,4 Millionen Euro weniger als noch im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres. Die Verschuldung wurde um 206,3 Millionen Euro reduziert, der Schuldenberg betrug damit Ende September noch rund 2,88 Milliarden Euro. Aufgrund der Schuldenreduzierung verbesserten führende Ratingagenturen die Bewertung von Kabel Deutschland.
Der KDG-Vorstand bestätigte angesichts der Zahlen die Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Das Umsatzwachstum soll demnach bei 6,5 bis 7 Prozent liegen, das operative Ergebnis werde voraussichtlich den oberen Bereich der Spanne zwischen 715 bis 725 Millionen erreichen. Im Gesamtjahr rechnet Kabel Deutschland mit Investitionen von 340 bis 350 Millionen Euro. Den Netto-Kundenzuwachs für das Geschäftsjahr 2010/11 beziffert der Kabelnetzbetreiber auf rund 250.000. Vor wenigen Tagen hatte Kabel Deutschland erstmals eine Ausschüttung an seine Aktionäre für das Geschäftsjahr 2011/12 in Aussicht gestellt. "Dann werden wir voraussichtlich unter dem Strich einen Gewinn erwirtschaftet haben." Für das im kommenden März endende aktuelle Geschäftsjahr erwartet von Hammerstein allerdings noch einen Verlust im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich.