WikiLove: Wikipedia-Nutzer sollen sich lieb haben
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Die Mitmach-Enzyklopädie Wikipedia steckt in der Krise – zumindest ein bisschen. Nach einem jahrelangen Boom hat das Web-2.0-Urgestein mittlerweile mit ersten Alterserscheinungen zu kämpfen und ringt um neue Strategien, dem allgegenwärtigen Nutzerschwund entgegenzuwirken. Als Hauptursache der Beteiligungsflaute haben die Wiki-Macher vor allem den rauen Ton identifiziert, der bei vielen Diskussionen auf der Plattform angeschlagen werde. Mit dem Projekt WikiLove will die Wikimedia Foundation nun gegensteuern.
Neulinge durch Kritik abgeschreckt
Und offenbar wird es auch höchste Zeit. Denn die Auswertung einer im April dieses Jahres durchgeführten Umfrage unter den Wikipedia-Autoren untermauert den Verdacht, dass sich der anfängliche Enthuiasmus vieler Nutzer insbesondere durch mangelnden Respekt und fehlende Anerkennung anderer Autoren schnell verflüchtigt. Demnach ist Geringschätzung für 69 Prozent der Studienteilnehmer ein Grund, ihre Schreibaktivitäten bei Wikipedia wieder zu begrenzen oder ganz einzustellen. Gleichwohl gaben 78 Prozent ebenfalls an, durch lobende Worte zu mehr Engagement angespornt werden.
Insbesondere für Neulinge bietet die Plattform aber oftmals ein anderes Bild. So finden sich diese schnell in einem schier undurchschaubaren Irrgarten aus Regeln, FAQs und gut gemeinten Ratschlägen wieder. Wer Fehler macht, sieht sich zudem schnell Belehrungen und heftiger Kritik altgedienter Wikipedianer ausgesetzt. Laut Wikimedia Foundation hat sich die Anzahl derartiger Kommentare seit 2005 mehr als verdreifacht, während die Zahl an Mitteilungen mit lobenden oder dankenden Worten um mehr als die Hälfte zurückging.
WikiLove: Dank und Anerkennung für gute Beiträge per "WikiLove-Button". Bild: Wikimedia Foundation
Start voraussichtlich am 29. Juni
Damit künftig wieder ein wenig mehr Wohlfühlatmosphäre herrscht, soll voraussichtlich ab dem 29. Juni auch bei Wikipedia ein "Like-Button" eingeführt werden. Dieser kommt zunächst in der englischsprachigen Version zum Einsatz und wird in Form eines Herzes neben der Suchleiste angeordnet. Anders als das Facebook-Pendant bietet das WikiLove-Tool eingeloggten Nutzern allerdings verschiedene Möglichkeiten, um ihrer Anerkennung spontanen Ausdruck zu verleihen. In der Urversion stehen dafür ein sogenannter "Barnstar", ein virtuelles Bier oder das Bild einer Katze zur Auswahl. Über eine Kommentarfunktion lassen sich jeweils kurze Mitteilungen anfügen. Administratoren haben darüber hinaus die Berechtigung, eigene lokalisierte (Sprach-)Varianten der Erweiterung zu entwerfen sowie zusätzliche Dankesgrafiken zu gestalten.
Dennoch wird WikiLove zunächst als Experiment gestartet, das erste Erfahrungen zu derartigen Anreizsystemen sammeln soll. Ob es sich bewährt und dauerhaft in das Online-Lexikon integriert wird, bleibt daher abzuwarten. Unabhängig davon kann das Feature aber auch in der Probephase jederzeit in den persönlichen Einstellungen deaktiviert werden. Weitere Informationen zu Funktion und Hintergründen von WikiLove bietet das Wikimedia-Blog.
red
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