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Donnerstag, 12.07.2012 19:46

VATM: EU-Regulierungspläne Gefahr für Netzausbau

aus dem Bereich Breitband

Die Deutsche Telekom vermietet die kupferbasierte Teilnehmeranschlussleitung (TAL), die sogenannte "Letzte Meile" von der Ortsvermittlungsstelle des Netzbetreibers zum Telefonanschluss des Nutzers, an etliche Wettbewerber. Das monatliche Entgelt für die TAL-Nutzung liegt derzeit bei 10,08 Euro. Mehr als eine Milliarde Euro an Entgelten für rund 9,6 Millionen Teilnehmeranschlussleitungen fließen damit jährlich in die Kasse des Bonners Konzerns. Die Wettbewerber pochen auf eine TAL-Senkung. EU-Kommissarin Nellie Kroes machte am Donnerstag in einem Memo dagegen neue Vorschläge zur Regulierung. Kroes ist nicht davon überzeugt, dass eine weitere TAL-Senkung die Investitionen in den Ausbau schneller Breitbandinfrastrukturen beflügelt. Sie spricht sich für stabile TAL-Entgelte aus. Kroes verweist darauf, dass der Glasfaserausbau gerade in solchen Ländern gut vorankomme, in denen die Preise für die Nutzung der Kupferleitungen im EU-Durchschnitt oder sogar darüber liegen. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) reagierte prompt und warnte vor einer Gefährdung des Breitbandausbaus durch die angedachten TAL-Preis-Pläne der EU-Kommissarin.

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Künstlich hohe TAL verhindert Breitbandausbau

"Neelie Kroes geht mit ihrem Vorschlag, den Preis für die Teilnehmeranschlussleitung aus politischen Gründen nicht zu senken, aus Sicht des Wettbewerbs in die völlig falsche Richtung", kritisiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. "Weiterhin künstlich hohe TAL-Entgelte werden einen schnellen Breitbandausbau in Deutschland be-, wenn nicht gar verhindern" so die Befürchtung des Verbandes.

Rund 80 Prozent des Wettbewerbs sind nach Angaben von Grützner auf den Zugang zur TAL angewiesen. Auf andere Infrastrukturen wie die Kabelnetze könnten die Anbieter "mangels Open-Access-Verpflichtung nicht zurückgreifen". Die Wettbewerber würden jährlich über die Hälfte der jährlichen Gesamtinvestitionen in Höhe von sechs Milliarden Euro stemmen, betont Grützner. Das müsse auch in Brüssel deutlich werden. Eine Senkung der TAL-Miepreise sei der stärkste Hebel, Breitband auf das Land zu bringen.

Wettbewerber können keine kostendeckenden Produkte mehr anbieten

"Das größte Problem ist, dass die Unternehmen beim jetzigen Preisniveau nicht mehr in der Lage sind, Endkundenprodukte kostendeckend anzubieten, weil die Vorproduktpreise hierfür zu hoch sind", erläutert Grützner. Der Preis für eine Doppelflat für Internet und Festnetz sei in vier Jahren um rund 50 Prozent gefallen. Die Mietpreise der Telekom wurden dagegen nach Angaben des VATM nur um rund fünf Prozent gesenkt.

"Allein die Ankündigung auf sinkende marktkonforme Preise verzichten zu wollen, wird nicht nur Milliardeninvestitionen in neue Netze verhindern, sondern auch die Erreichung der Breitbandziele der Bundesregierung stark gefährden. Diese sind nämlich nur erreichbar, wenn die Kupfernetze aufgerüstet werden können", warnt der VATM-Geschäftsführer.

red
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