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Sonntag, 29.07.2012 16:31

Facebook: "Zeit der Status-Updates ist vorbei"

aus dem Bereich Sonstiges

Facebook, das weltweit größte soziale Netzwerk, konnte in den vergangenen Jahren ein rasantes Mitgliederwachstum aufweisen. Der US-Konzern zählt rund um den Globus über 955 Millionen monatliche Nutzer und wurde beim Börsengang mit über 100 Milliarden US-Dollar bewertet. Doch in einigen Ländern bekommt Facebook Nachwuchsprobleme. Das Schweizer Online-Zeitung "20 Minuten Online" berichtet, dass in dem Alpenland knapp zehn Prozent der 13- bis 15-Jährigen laut einer auf Facebooks Ad Manager basierenden Analyse der Marketing-Agentur Serranetga dem Netzwerk seit November 2011 den Rücken gekehrt und ihr Konto gelöscht haben. Auch in den USA soll Facebook Probleme haben, jüngere Mitglieder zu halten. Eine Umfrage der Zeitung ergab zudem, dass 93 Prozent der befragten Schweizer Nutzer mit Facebook unzufrieden sind.

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Facebooks neue Funktionen verwirren

Der Social-Media-Experte Fabian Keller von Serranetga zeigt sich im Interview mit der Zeitung von dem Trend wenig überrascht, da Medien und Mitglieder eine große Erwartungshaltung aufgebaut hätten, die Facebook aber nicht erfüllen kann. Zudem verwirrt das Netzwerk mit immer neuen Funktionen. Zulauf erhalten dagegen Plattformen wie Spotify oder Pinterest, die sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben.

"Die Zeit der ständigen Status-Updates ist vorbei", betont Keller. Die Verweilzeit auf dem Netzwerk sinkt. Die jüngste Facebook-Nutzergruppe nutzt die Plattform vor allem als Messaging-Dienst zum Chat mit Freunden. Außerdem könnten die Meinungsmacher auf den Schulhöfen eine große Sogwirkung auslösen, wenn sie Facebook nicht mehr als 'cool' ansehen.

Droht Facebook das Schicksal von MySpace?

Facebook Startseite
Facebook hat in der Schweiz ein Nachwuchsproblem, immer mehr junge Mitglieder kehren dem Netzwerk den Rücken. Screenshot: onlinekosten.de

Dabei ist der US-Konzern eigentlich gut gerüstet, um schnell auf neue Trends zu reagieren. Das soziale Netzwerk beschäftigt eigene Soziologen, die neue Entwicklungen in der Gesellschaft beobachten sollen. Der Boom der mit Kameras ausgestatteten Smartphones bewegte Facebook zum Kauf von Instagram, einem auf Fotos spezialisiertes Netzwerk.

Nicht ganz auszuschließen sei, dass Facebook ein ähnliches Schicksal wie einst MySpace erleiden könnte: Wenn der große Schwarm weiterzieht, könnte Facebook schnell untergehen. Keller geht allerdings nicht davon aus, dass dies unmittelbar bevorsteht. Bevor es zu einem massiven Mitgliederschwund komme, müsse "etwas völlig Unvorhersehbares" geschehen. Zudem könne Facebook in Ländern, in denen es noch nicht lange vertreten ist, weiterhin Mitglieder hinzugewinnen.

Konkurrenz von Google+ & Co. wirbt Facebook Mitglieder ab

Negative Schlagzeilen über das US-Unternehmen wie dessen Umgang mit dem Datenschutz oder die misslungene Abstimmung über neue Facebook-Regeln sorgen ebenfalls für Missstimmung unter den Mitgliedern. Die Konkurrenz reagiert, Google+ wirbt laut Keller in den USA aggressiv um neue Nutzer. Der Kurznachrichtendienst WhatsApp konkurriert mit Facebooks Messenger, Pinterest wird zum Herausforderer bei Fotoanwendungen. Nach Einschätzung Kellers sind solche Start-ups zwar auf eine Nische begrenzt, dennoch könnten sie Facebook Mitglieder abwerben.

Der Schweizer Social-Media Experte sieht für Facebook auch in einigen Jahren noch eine Zukunft, allerdings könnte aus dem Netzwerk bis 2015 etwas Neues entstehen. Viel hänge davon ab, wie Facebook bis dahin genutzt werde und wie die Online-Plattform sich mit praktischen Funktionen in den Alltag integriere. Der US-Konzern selbst wollte gegenüber der Schweizer Zeitung einen möglichen Mitgliederschwund nicht kommentieren. Das Unternehmen gab lediglich bekannt, dass in der Schweiz monatlich weiterhin 2,5 Millionen Mitglieder im Netzwerk aktiv seien.

red
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