Dienstag, 04.09.2012 13:01
Fernsehen vs Internet: Wer setzt die Trends?
aus dem Bereich Sonstiges
Sami Slimani ist ein Guru der YouTube-Welt. Mit Video-Schnipseln zu Mode, Pickeln, Zahn- oder Haarpflege bietet "Herr Tutorial" kostenlose Hilfe in allen Teenager-Lebenslagen. Mancher Fernseh-Intendant mag es mit Neid beobachten: Slimani ist zum Knigge seiner Generation aufgestiegen - ganz ohne Marketing und aufwendige Technik. Und das wissen auch die Web-Profis: Der europäische Youtube-Manager Matthew Glotzbach erzählte am Montag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin genüsslich von der Kometen-Karriere des jungen Deutschen.
60 Mio. Abrufe für Youtube-Star
Gegen Slimanis Erfolg sehen beispielsweise die Quoten von Style-TV wie müde Einzeller aus. Der US-Kanal rund um Mode und Lebensstil habe unlängst in einem Monat 700.000 Zuschauer gezählt, so Glotzbach. Ein Rekord für den Sender - aber "Herr Tutorial" könnte dazu nur müde lächeln. Er kommt auf knapp 60 Millionen Abrufe und 300.000 YouTube-Abonnenten. Glotzbachs Botschaft ist klar: Youtube ist ein entscheidender Medien-Mitspieler geworden.
So klaffen auf der IFA-Medienwoche Welten auseinander. Gegen die YouTube-Plattform, die für jedes noch so sonderbare Nischeninteresse Dutzende bis Tausende Videos bietet, stellte Thomas Ebeling das allseits bekannte Fernsehen. Für den Vorstandschef von ProSieben-Sat.1 ist es noch immer das virtuelle "Lagerfeuer" der Republik, um das sich die Familie versammelt.
Noch immer setze Fernsehen die Gesprächsthemen und selbst die Trends auf Twitter, sagt Ebeling. Nach wie vor beginne für Millionen Deutsche der Abend zur "Tageschau"-Zeit um 20 Uhr. Ob Moderatorenduo Joko und Klaas oder die Castingshow "The Voice": Nur das Fernsehen sei in der Lage, kreative Talente durchzusetzen.
Ebeling: Google soll Zählpraxis offenlegen
Ebeling ärgert aber, dass sich die Internet-Konzerne ganz den Spielregeln der deutschen Medienpolitik entziehen. "Globale monopolitische Marktführer" sollten zu mehr Transparenz gedrängt werden. Denn für Unternehmen, die in der digitalen Welt überleben wollten, sei die Platzierung bei der Suche entscheidend. Deswegen müsse Google offenlegen, wie seine Ergebnisse zu Stande kommen.
Glotzbach lehnte jede Form von Regulierung ab. Die Google-Tochter YouTube sei keine Konkurrenz zum Fernsehen, sondern spiele für die Sender eine wichtige Rolle. Als Beispiel nannte er YouTube-Kanäle von ARD und ZDF.
Zwar wünschen sich auch die öffentlich-Rechtlichen Sender klare Regeln. Doch sowohl ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler als auch RBB-Intendantin Dagmar Reim können nicht genug von YouTube bekommen. "Wir freuen uns über alle Wege, unser Produkt zum Zuschauer zu bringen", sagte Reim.
red