Das Jahr 2012 neigt sich langsam dem Ende zu. Zeit für einen Rückblick auf die bisherige Entwicklung des Telekommunikationsmarktes in diesem Jahr sowie einen Ausblick auf das kommende Jahr. Wie sieht die Lage im Festnetzbereich und wie im Mobilfunksektor aus? Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) hat eine entsprechende Marktstudie in Form der 14. TK-Marktanalyse Deutschland (PDF) am Donnerstag zusammen mit dem Branchenexperten Thorsten J. Gerpott von Dialog Consult in Köln vorgestellt.
TK-Umsätze stabil bei rund 60 Milliarden Euro
Die Umsätze des gesamten Telekommunikationsmarkts erreichen in Deutschland laut Schätzungen von Gerpott bis zum Jahresende rund 60,1 Milliarden Euro. Damit bleiben sie im Vergleich zum Vorjahr (60,2 Milliarden Euro) nahezu stabil. Während die Deutsche Telekom den 35,3 Milliarden Euro schweren Festnetzmarkt weiterhin mit einem Anteil von 43,7 Prozent (15,4 Milliarden Euro) dominiert, erwirtschaften die Wettbewerber zusammen 43,9 Prozent (15,5 Milliarden Euro) der Umsätze.
Da die Wettbewerber aber überwiegend noch auf die Netze der Telekom zurückgreifen müssen, fließen unter anderem aufgrund der TAL- und Vorleistungsgebühren für die Nutzung der letzten Meile pro Euro Umsatz rund 65 Cent an die Telekom zurück. Die Kabelnetzbetreiber sicherten sich 12,5 Prozent (4,4 Milliarden Euro) des Umsatzkuchens und legten damit gegenüber dem Vorjahr deutlich um 16 Prozent zu.
Mit 6 Milliarden Euro wurden unverändert rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes für Investitionen zum Beispiel für den Aufbau und Ausbau der Netze verwendet. Auf die Wettbewerber entfallen mit 3,1 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der Investitionen, die Telekom wendet in diesem Jahr 2,9 Milliarden Euro auf. Der Bonner Konzern baut seine Effizienz zudem weiter aus, die Anzahl der Mitarbeiter sinkt bis zum Jahresende auf schätzungsweise 119.700. Die Wettbewerber dagegen beschäftigen insgesamt zusammen lediglich rund 53.500 Mitarbeiter.

In Köln stellte der VATM am Donnerstag die TK-Marktanalyse Deutschland 2012 vor. Bild: Dialog Consult/VATM
Anzahl der Breitbandanschlüsse steigt auf 28,1 Millionen
Ende 2012 wird es hierzulande schätzungsweise 28,1 Millionen Breitbandanschlüsse geben, ein Plus von rund 800.000 gegenüber dem Vorjahr. Zwei Drittel der Breitband-Neukunden entfallen alleine auf die Kabelnetzbetreiber, die zum Jahresende auf einen Marktanteil von 14,9 Prozent kommen. Die Telekom konnte immerhin noch 300.000 Kunden hinzugewinnen, ihr Marktanteil bei den geschalteten Breitband-Anschlüssen liegt bei 44,9 Prozent. Die Luft wird allerdings für die alternativen DSL-Provider wie Vodafone, Telefónica Germany & Co. dünner. Die Anzahl der Kunden ging hier innerhalb eines Jahres um 100.000 auf 9,2 Millionen zurück. Auch die Zahl der Telekom-Resale-Anschlüsse sackte von 1,9 Millionen auf 1,8 Millionen ab. Die Bedeutung von Resale-DSL mit einem Anteil von nur noch 6,4 Prozent schwindet weiter.
Bei Aufschlüsselung der Breitband-Kunden nach Unternehmen entfallen bis Ende Juni dieses Jahres auf die Telekom 12,4 Millionen Kunden, Vodafone sowie United Internet unter anderem mit der Marke 1&1 kommen auf jeweils 3,3 Millionen Breitband-Kunden. An vierter Stelle rangiert Telefónica mit 2,5 Millionen Breitband-Abonnenten. Der seit dem Sommer als ein Unternehmen auftretenden Kabelkonzern Unitymedia KabelBW stellt Breitband-Anschlüsse für 2 Millionen Kunden bereit, Kabel Deutschland versorgt 1,6 Millionen Kunden mit Internet per Kabel. Es folgen Versatel und die EWE Gruppe mit jeweils 0,7 Millionen, NetCologone mit 0,4 Millionen und M-net mit 0,2 Millionen. Auf weitere Wettbewerber entfallen 0,6 Millionen Breitband-Kunden.
Sprachtelefonie per Festnetz geht nur leicht zurück
Die Anzahl der Sprachtelefonanschlüsse im Festnetz geht in diesem Jahr leicht um rund 300.000 auf 37,7 Millionen zurück. Gerpott sieht als einen Grund, dass immer mehr Kunden ausschließlich Mobilfunk statt das Festnetz für Sprachtelefonie nutzen. Während die Kabelanbieter die Zahl der Komplettpakete um rund 600.000 auf 4,2 Millionen steigern konnte und die Anzahl bei den Wettbewerbern auf 11,2 Millionen zulegte, musste die Telekom einen Rückgang um 1,1 Millionen auf 22,3 Millionen verbuchen. Bei den Wettbewerbern basieren mehr als 55 Prozent der Sprachanschlüsse bereits auf VoIP (6,2 Millionen Anschlüsse), bei der Telekom ist der Anteil dagegen mit 1,8 Prozent (400.000 Anschlüsse) noch sehr gering.
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