Die Kontrahenten bringen sich in Stellung: Auf der einen Seite des Rings steht der Breitband-Marktführer Deutsche Telekom. Als Herausforderer treten die Kabelnetzbetreiber an, die immer mehr Marktanteile gewinnen können. Insbesondere Unitymedia rüstet sich derzeit für eine größere Schlacht gegen den ehemaligen Monopolisten. Nach der Fusion von Unitymedia und Kabel BW Anfang Juli setzt Lutz Schüler, Chef des vereinten Unternehmens, nun laut einem Bericht der Zeitung "Der Standard" unter Berufung auf eine Meldung der Nachrichtenagentur "Reuters" eine neue Zielmarke. Der zu Liberty Global gehörende Kabelnetzbetreiber will seinen Internet-Marktanteil verdoppeln. Auch höhere Bandbreiten von bis zu 400 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) würden sich kurzfristig realisieren lassen.
Unitymedia will weitere Marktanteile erobern
Unitymedia selbst ist in Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv, die Marke Kabel BW ist in Baden-Württemberg vertreten. Der Marktanteil des Kabelkonzerns in den drei Bundesländern liegt laut Schüler bei knapp 20 Prozent. Damit will sich der Chef von Unitymedia KabelBW jedoch noch lange nicht zufrieden geben. "Im Ausland haben Kabelnetzbetreiber locker 30 bis 40 Prozent und ich wüsste nicht, warum das in Deutschland nicht auch so sein sollte."
Das Unternehmen mit Sitz in Köln sieht sich für eine Marktoffensive bestens gerüstet. Schon jetzt bietet Unitymedia seinen Kunden Internetzugänge per Kabel mit Surfgeschwindigkeiten von bis zu 150 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) an. Die Telekom dagegen vermarktet ihre VDSL-Anschlüsse lediglich mit Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s.
Die wesentlich schnelleren Glasfaseranschlüsse der Bonner mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit/s sind noch rar gesät. Nach der Bereitstellung der schnellen Leitungen für 160.000 Haushalte im vergangenen Jahr, sollen bis zum Jahresende bundesweit weitere 200.000 Haushalte hinzukommen. Erste Haushalte erobern das Telekom-Giganetz seit Anfang August. Zu wenig, um Unitymedia auf breiter Front ernsthaft Paroli bieten zu können. Stattdessen prüft die Telekom nun den Einsatz der Vectoring-Technologie, die die klassischen Kupferdrahtleitungen auf der letzten Meile durch Kanalbündelung auf bis zu 100 Mbit/s beschleunigen könnte. Die Genehmigung der Bundesnetzagentur für den großflächigen Einsatz von Vectoring steht jedoch noch aus.
Unitymedia: Mittelfristig auch 1 Gbit/s realisierbar
Sollte die Telekom ihre Internetanschlüsse demnächst mit höheren Bandbreiten anbieten können, will Unitymedia schnell darauf reagieren. "Wenn die Geschwindigkeiten von 100 Megabit/s anbieten, werden wir auf 200 Megabit/s gehen." Technisch möglich sind schon jetzt 400 Mbit/s, mittelfristig sei auch 1 Gigabit/s realisierbar. Allerdings müsse es dafür eine entsprechende Nachfrage geben.
Die Breitband-Geschwindigkeiten in bundesdeutschen Haushalten sind in der Praxis derzeit noch weit von Highspeed entfernt. Laut Bundesnetzagentur surften Ende des vergangenen Jahres mehr als zwei Drittel aller Bundesbürger mit weniger als 10 Mbit/s im Netz, erst 0,4 Prozent aller Anschlüsse bieten Bandbreiten von mindestens 100 Mbit/s. Für Lutz Schüler ist Geschwindigkeit dennoch die Zauberformel für weiter anhaltendes Wachstum. "Wir sind seit sechs Quartalen der am schnellsten wachsende Breitband-Anbieter in Deutschland. Und das verdanken wir der Geschwindigkeit", so der Chef von Unitymedia KabelBW.