Wer per
VoIP telefoniert, hat nicht nur den Vorteil kostenloser oder zumindest günstiger Gespräche. Er kann auch immer und überall auf seinem Internet-Telefonanschluss angerufen werden und das weltweit. Dabei fallen weder für den Anrufer noch für den Nutzer selbst erhöhte Gesprächskosten an, wie es beispielsweise beim Roaming im Mobilfunk der Fall wäre. Diese Unabhängigkeit hat aber Auswirkungen auf die Erreichbarkeit, die man erstmal in den Griff bekommen muss.
VoIP-Nutzer können ihren Anschluss weltweit nutzen und sind immer und überall erreichbar – zumindest solange sie irgendwie am Internet hängen. Dabei ändert sich nicht einmal die Rufnummer: Egal, wo er sich auf der Welt befindet, Anrufer erreichen den VoIP-Nutzer immer als wäre er zu Hause. Während im Fest- und Mobilfunknetz aber gar keine Diskussion über die Art der Rufnummer besteht, machen
VoIP-Anbieter hier wesentliche Unterschiede. Im Festnetz erhält der Kunde die Vorwahl seines Ortsnetzes, im Mobilfunk die seines Netzbetreibers. Bei VoIP stehen dagegen 0180-Servicerufnummern, Ortsnetznummern und auch Internet-eigene 032-Vorwahlen als Standard-Angebote der verschiedenen Provider zur Auswahl. Teilweise werden sogar internationale Vorwahlen angeboten. Jedoch bestehen erhebliche Unterschiede zwischen diesen Vorwahlen, insbesondere wenn es um die Kosten für die Anrufer geht.
Nummern schieben für VoIP
Wer in Deutschland Sprachdienste anbieten möchte, geht zur Bundesnetzagentur und beantragt einen Nummernblock. Zur Auswahl stehen dabei verschiedene Sonderrufnummern und natürlich Ortsnetznummern. Ein Anbieter, der bundesweit tätig werden möchte, muss dafür aus jedem der 5.200 Ortsnetze bislang Blöcke mit mindestens 1.000 Rufnummern besorgen – das kann teuer werden. Außerdem muss er erklären, wie er diese Nummern technisch zu schalten gedenkt. Kurzerhand hatten Provider anfangs Rufnummern aus Ballungsgebieten gekauft und diese beliebig vergeben. So konnte es passieren, dass ein Hamburger Kunde mit Kölner Telefonnummer ausgestattet wurde. Dem dadurch drohenden Chaos schob die Bundesnetzagentur aber einen
Riegel vor.
Mittlerweile wurden einige Regelungen getroffen, die eine Rufnummernvergabe für VoIP-Anbieter vereinfachen sollen. Grundsätzlich sind sie jetzt den Sprachnetzbetreibern insofern gleichgestellt, dass sie für ihre Services eigene Ortsnetz-Rufnummern erhalten können, die sie dann anhand des Wohn- oder Firmensitzes ihres Kunden vergeben. Teilweise ist es inzwischen auch möglich, die verfügbaren Rufnummernblöcke in handlicheren 100er-Packs zu erhalten, was allerdings seine Ursache in der Nummernknappheit mancher Ortsnetze hat und nicht in dem Bemühen, die Anfangsinvestitionen für Unternehmen zu verringern.
Ein Problem stellt jedoch noch die Portierung bestehender Rufnummern dar. Bisher hängt die nämlich mit dem Wechsel des Telefondienstanbieters zusammen. Aus Regulierungssicht tritt mit dem VoIP-Anbieter aber ein weiterer Diensteanbieter, neben den Lieferant von Telefonanschluss oder Internetzugang und somit könne hier kein Portierungsanspruch bestehen. Während Anbieter dazu verpflichtet sind, Kunden die Möglichkeit zu geben, ihre bestehenden Rufnummern zu einem anderen Anbieter hin mitzunehmen, können die Nummern-Umzüge zu einem VoIP-Anbieter – ebenso wie die Neuschaltung von Rufnummern – meist nur durch die Vorleistung eines Anbieters wie Telefonica, Toplink oder Outbox realisiert werden.
Die Lösung: NTR
Um das Problem der Erreichbarkeit zu lösen und dem Ansturm auf die neue Technik gerecht zu werden, ersann die Regulierungsbehörde schließlich eine spezielle Nummerngasse. Die "Nationale Teilnehmerrufnummer" (NTR) für Internettelefonie trägt die
032-Vorwahl und wurde im Januar 2005 erstmals an interessierte Provider vergeben. Durch die Vereinheitlichung sind natürlich IP-Telefonanschlüsse klar erkennbar. Kritiker sehen darin die Gefahr, dass Betreiber die Minutentarife zu diesen Rufnummern teurer machen, als beispielsweise nationale Festnetzgespräche, weil sie, wie beim Mobilfunk, mit höheren Vermittlungskosten argumentieren. Und tatsächlich kostet ein Anruf zur 032-Vorwahl mit dem T-Net Standard-Festnetztarif der T-Com je nach Uhrzeit zwischen drei und zwölf Cent pro Minute.
Ähnlich verhält es sich mit den 0180-Servicerufnummern, die manche VoIP-Anbieter ihren Kunden zur Verfügung stellen, um erreichbar zu sein. Während die Vorwahl für Hotlines üblich ist, könnten sich Familie und Freunde beim Wählen etwas befremdet fühlen. Erst recht, wenn sie im Nachhinein die Telefonrechnung studieren, denn auch hier werden beispielsweise bei der 01805-Vorwahl satte 14 Cent pro Minute aus dem Festnetz der T-Com fällig, bei der 01801-Rufnummer sind es immerhin noch 3,90 Cent pro Minute.
Je mehr, desto billiger
Generell gilt jedoch die Regel: Je mehr Kunden auf VoIP umsteigen, desto günstiger wird es für sie. Telefonate innerhalb des IP-Netzes sind nämlich meist kostenlos. Kunden des gleichen Anbieters sprechen sogar immer gebührenfrei miteinander. Mittlerweile gibt es aber auch Vereinbarungen zwischen verschiedenen Providern, die Kunden ohne Entgelt untereinander zu vermitteln. Fehlt so ein Kooperationsvertrag, werden die Gespräche aus dem IP-Netz noch über das Festnetz umgeleitet, was natürlich Kosten verursacht.
Als Alternative kann, statt einer Rufnummer, auch die "SIP-Adresse" gewählt werden. Die ist nämlich fester Bestandteil von
SIP (Session Initiation Protocol), dem mittlerweile wohl am weitesten verbreiteten Übertragungsstandard für VoIP. So wie die IP-Adresse jeden Internet-Nutzer identifiziert, kann also jeder VoIP-Anschluss über die SIP-Adresse (z.B. sip:1234567@provider.de) erkannt werden. Diese Möglichkeit beschränkt sich zwar auf die Nutzung direkt am Computer, kann dafür aber providerunabhängig genutzt werden.
Virtuelles Fräulein vom Amt
Die Übersetzung von Telefonnummern in Internetadressen für das Domain Name System im Internet übernimmt das so genannte Telephone Number Mapping, kurz
ENUM. Dabei wird eine Telefonnummer in eine Domain umgewandelt. Unter der damit aufgerufenen Internetadresse werden dann, statt einer Website, Datensätze gelesen, die Informationen über die Erreichbarkeit eines Teilnehmers enthalten. Der Teilnehmer selbst kann darüber festlegen, welches Gerät einen Anruf entgegen nehmen soll, beispielsweise sein IP-Telefon, Handy oder auch der E-Mail-Anrufbeantworter. Bislang hat sich diese Form des Anrufmanagements aber noch nicht durchsetzen können. Hinzu kommt, dass sich mittlerweile
mehrere Standards für diese Vermittlung gebildet haben. Bleibt abzuwarten, wie die verschiedenen Fräuleins vom Amt miteinander klar kommen.